FIFO bei Aktien: Methode, Rechner und Trade-Republic-Beispiel
FIFO heißt First-In-First-Out und ist das gesetzlich vorgeschriebene Verfahren in Deutschland, mit dem dein Gewinn bei Aktien-Verkäufen berechnet wird. Die Methode entscheidet, welche deiner gekauften Aktien beim Verkauf rausgehen. Klingt nach Buchhaltungs-Kleinkram, ist aber der Hauptgrund warum dein realer Gewinn anders aussieht als das was die Trade-Republic-App dir zeigt. Diese Seite erklärt das FIFO-Verfahren mit einem konkreten Beispiel, wie Aktien-Splits eingerechnet werden und welche Edge-Cases im echten Depot vorkommen.
Was ist FIFO und warum gilt es
Beim Verkauf einer Aktie musst du wissen, welche der gekauften Stücke du gerade verkaufst. In Deutschland gilt steuerlich der FIFO-Grundsatz: die zuerst gekauften Aktien gelten als zuerst verkauft. Das ist im Einkommensteuergesetz §20 EStG so festgelegt und gilt für alle deutschen Privatanleger. Trade Republic muss sich daran halten, dein Steuerbericht basiert darauf. Wenn ein Tool nicht FIFO rechnet, sondern Durchschnittspreise oder LIFO, dann zeigt es dir nicht den steuerlich relevanten Gewinn.
FIFO Schritt für Schritt mit Beispiel
Stell dir vor du kaufst dieselbe Aktie dreimal zu unterschiedlichen Preisen, dann verkaufst du einen Teil. Beispiel mit Apple-Aktie:
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Kauf 1 am 01.02.2024
10 Aktien zu 180 EUR. Gesamtwert 1800 EUR.
- 2
Kauf 2 am 15.06.2024
10 Aktien zu 220 EUR. Gesamtwert 2200 EUR.
- 3
Kauf 3 am 03.10.2024
10 Aktien zu 240 EUR. Gesamtwert 2400 EUR.
- 4
Verkauf am 20.04.2025
15 Aktien zu 260 EUR. Erlös 3900 EUR. Nach FIFO gehen die 10 Aktien aus Kauf 1 plus 5 aus Kauf 2 raus.
- 5
Gewinn-Rechnung
Kaufpreis der 15 verkauften: 10 × 180 plus 5 × 220 = 1800 plus 1100 = 2900 EUR. Verkaufserlös 3900 EUR. Realisierter Gewinn 1000 EUR. Auf diesen Gewinn fällt die Kapitalertragsteuer an.
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Was übrig bleibt
5 Aktien aus Kauf 2 plus 10 aus Kauf 3 = 15 Aktien. Der durchschnittliche Buchwert dieser Restposition ist (5 × 220 plus 10 × 240) / 15 = 233,33 EUR pro Aktie. Das ist die Basis für den nächsten Verkauf.
Was passiert bei Aktien-Splits
Wenn eine Aktie gesplittet wird, ändert sich die Stückzahl und der Preis pro Stück, aber der Gesamtwert deiner Position bleibt gleich. Beispiel NVIDIA: am 10.06.2024 gab es einen 10-zu-1-Split. Wer vorher 10 Aktien zu 1200 EUR pro Stück hatte (Gesamtwert 12000 EUR), hatte danach 100 Aktien zu 120 EUR pro Stück (Gesamtwert weiterhin 12000 EUR). FIFO-Buchhaltung muss rückwirkend angepasst werden. Aus dem ursprünglichen Kauf-Datensatz wird also nicht 10 zu 1200 sondern 100 zu 120. Wenn ein Tool das nicht macht, vergleicht es den nominalen Kurs vor dem Split mit dem heutigen Kurs nach dem Split und kommt auf einen komplett falschen Gewinn. trade-insight bucht alle Splits in unserem Universum rückwirkend korrekt.
Edge-Cases die im echten Depot vorkommen
Mergers mit Bar-Komponente
Wenn eine Firma A von Firma B übernommen wird und du pro A-Aktie 0,8 B-Aktien plus 15 EUR Cash bekommst, muss die FIFO-Buchhaltung das auseinandernehmen. Die 15 EUR Cash sind realisierter Erlös, die 0,8 B-Aktien erben den ursprünglichen FIFO-Kaufpreis. Bei mehreren A-Käufen wird das schnell unübersichtlich.
Optionsscheine und Knock-outs
Wenn du auf NVIDIA fünf verschiedene Knock-out-Zertifikate handelst, sind das fünf verschiedene WKNs, jeweils mit eigener FIFO-Buchhaltung. Die TR-App zeigt dir den Gewinn pro WKN. Wer aber wissen will wie seine NVIDIA-Knock-out-Strategie insgesamt gelaufen ist, braucht eine konsolidierte Sicht über alle WKNs auf das gleiche Underlying. trade-insight gruppiert Warrant-Familien.
Reverse-Splits
Manche Aktien werden zusammengelegt statt aufgeteilt. Aus 10 Aktien zu 1 EUR werden eine Aktie zu 10 EUR. Buchhalterisch ist das das Spiegelbild eines normalen Splits, aber viele Tools verschlucken sich daran weil Reverse-Splits seltener sind.
Tilgung mit Restwert
Bei Anleihen oder bestimmten Zertifikaten kann es vorkommen dass eine Position bei Fälligkeit nicht zum Nennwert sondern zu einem Bruchteil davon zurückgezahlt wird. Der Differenzbetrag ist ein realisierter Verlust. Die FIFO-Buchhaltung muss den korrekten Kaufpreis zur Berechnung heranziehen.
Wie trade-insight FIFO zeigt
Im Drilldown jeder Position siehst du den vollständigen FIFO-Trail. Alle Käufe chronologisch, jeder Verkauf mit Hinweis welche Kauf-Datensätze gerade verbraucht wurden, die Reststückzahl pro Kauf, der durchschnittliche Buchwert deiner offenen Position. Bei Splits ist sichtbar dass die ursprünglichen Käufe rückgebucht wurden, mit Original-Datum aber angepasster Stückzahl und Preis. Edge-Cases wie Mergers und Optionsschein-Familien sind in eigenen Sektionen aufbereitet. Das ist die Sicht die du im TR-eigenen Steuerbericht nicht bekommst.
Häufige Fragen
Gilt FIFO für alle Wertpapiere in Deutschland?
FIFO gilt für deutsche Privatanleger bei der Berechnung der Kapitalertragsteuer auf Aktien, ETFs, Anleihen, Optionsscheine und Zertifikate. Bei Krypto-Coins gibt es eine Sonderregelung (§23 EStG, ein-Jahres-Haltefrist mit individueller Zuordnung möglich).
Was passiert wenn ich bei Trade Republic mehrere Depots habe?
FIFO gilt pro Depot. Wenn du dieselbe Aktie in zwei TR-Depots hältst, werden die FIFO-Stapel pro Depot getrennt geführt. trade-insight pullt aktuell ein TR-Konto pro User. Multi-Depot-Konsolidierung ist ein geplantes Feature, aber noch nicht live.
Was ist mit Sparplänen?
Jede Sparplan-Ausführung ist ein normaler Kauf und wird in den FIFO-Stapel eingereiht. Wenn du jeden Monat 100 EUR in einen ETF sparst und nach drei Jahren einen Teil verkaufst, gehen die ältesten Sparplan-Käufe nach FIFO zuerst raus.
Wie wirkt sich der Verlust-Verrechnungstopf aus?
Der Verrechnungstopf ist ein separater Mechanismus. FIFO bestimmt zunächst pro Position den realisierten Gewinn oder Verlust. Realisierte Verluste werden dann automatisch von TR im Verrechnungstopf gesammelt und mit zukünftigen Gewinnen verrechnet. trade-insight zeigt aktuell pro Position den realisierten Saldo, die zusammengefasste Verrechnungstopf-Sicht ist Teil des geplanten Steuer-Helpers.
Warum zeigt mir die TR-App einen anderen Gewinn als trade-insight?
Meistens zwei Gründe. Erstens: TR zeigt den Verlauf seit deinem letzten Login oder seit Eröffnung einer Position, oft basiert auf einem Snapshot-Preis. FIFO ist die korrekte Methode für realisierte Gewinne. Zweitens: TR zeigt manche Edge-Cases vereinfacht oder verzögert (z.B. Splits, Mergers). Die Steuerbescheinigung von TR ist aber FIFO-korrekt, dort findest du den Wert der mit unserer Berechnung übereinstimmen sollte.
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